Religionspsychologie

In der gesundheitspsychologischen Forschung ist ein neues Interesse an Religion und Spiritualität entstanden. Das individuelle Zugreifenkönnen auf eine religiös-spirituelle Deutung des Lebens erweist sich in vielen Fällen als wertvolle Ressource, um das Leben meistern zu können. Umgekehrt: Nicht alles Religiös-Spirituelle, das psychisch stabilisiert, ist auch psychisch gesund. Es gilt die Spreu vom Weizen zu trennen und Kriterien für eine Religiosität und Spiritualität zu entwickeln, die seelisch integrativ wirkt und einen psychisch reifen Umgang mit Realität ermöglicht bzw. nicht verhindert.

Weiters: Auf dem aktuellen Lebenshilfe-Markt mehren sich Angebote, die Psychologie/Psychotherapie und Religion/Spiritualität ungeniert und unreflektiert vermischen. Demgegenüber ist im Sinne des Konsumentenschutzes eine klare Trennlinie zwischen "Profession" und "Konfession" zu markieren. Es ist klar herauszuarbeiten, dass das Behandlungs- und Heilungsangebot, das professionelle Psychotherapie bereitstellt, auf einer anderen Ebene angesiedelt ist als die Heilshoffnung und der Heilszuspruch, der von einer religiösen oder spirituellen Weltanschauung ausgeht.

Die Beschäftigung mit Religion/Spiritualität und Psychologie/Psychotherapie ist Teil meiner Geschichte. Ich habe Theologie und Psychologie studiert. Nach meiner theologischen Tätigkeit in einer Studentengemeinde und am Institut für Praktische Theologie der Universität Innsbruck habe ich 1993 begonnen, im Bereich der Psychotherapie zu arbeiten.
Auch heute noch interessiert mich der Grenzbereich zwischen Psychologie/Psychotherapie und Religion/Spiritualität. 2012 habe ich mein Doktorat in Psychologie abgeschlossen und dafür eine Dissertation zum Thema "Religiosität und Spiritualität in psychotheratpeutischen Behandlungen" verfasst. Psychotherapeuten wurden befragt, wie sie mit religiös-spirituellen Themen und Phänomenen im psychotherapeutischen Behandlungsalltag umgehen.